Nathan und Lisa

Ein musikalisches Schauspiel rund um die Duldsamkeit - erarbeitet und erzählt von Michael Reinhold Schmitz, frei nach "Nathan der Weise",einem dramatischen Gedicht aus dem Jahre 1779 von Gotthold Ephraim Lessing.

Voraussichtliche Premiere: Ende März 2018

„Du kennst die Christen nicht, willst sie nicht kennen.
Ihr Stolz ist: Christen sein; nicht Menschen. Denn
Selbst das, was noch von ihrem Stifter her
Mit Menschlichkeit den Aberglauben würzt,
Das lieben sie, nicht weil es menschlich ist:
Weil´s Christus lehrt; weil´s Christus hat getan. –
Wohl ihnen, dass er so ein guter Mensch
Noch war! Wohl Ihnen, dass sie seine Tugend
Auf Treu und Glaube nehmen können! – Doch
Was Tugend? – Seine Tugend nicht; sein Name
Soll überall verbreitet werden, soll
Die Namen aller guten Menschen schänden,
Verschlingen. Um den Namen, um den Namen
Ist ihnen nur zu tun.“ (Sittah zu Saladin; aus:
Nathan der Weise, 2. Aufzug, 1. Auftritt)

Mit diesen eindringlichen Worten versucht Sittah, ihren Bruder Saladin vor den Gefahren, die von den Christen ausgehen, zu warnen. Wir befinden uns etwa zu Beginn der 90er Jahre des 12. Jahrhunderts n.Chr.  – Jerusalem, die heilige Stadt ist unter islamische Herrschaft – zurückerobert durch den großen Heerführer und Sultan Saladin, der in der Stadt residiert.

Das ist das Szenario, in dem Gotthold Ephraim Lessing, seine große Erzählung vom  jüdischen Kaufmann Nathan, der auch „der Weise“ genannt wird, entfaltet.

In Zeiten einer vermeintlichen Islamisierung bzw. Überfremdung, des Einzugs der AFD in die Parlamente und dem Erstarken rechten und homophoben Gedankenguts usw. befasst sich das KungerKiezTheater im Herbst 2017 und Frühjahr 2018 mit Lesssings Drama, das als einer der Schlüsseltexte der Aufklärung gilt, und in dessem Zentrum mit der berühmten Ringparabel einer der bedeutendsten Repräsentanten der Toleranzidee steht.

„Nathan der Weise“ dient dabei als Ausgangspunkt zur Erarbeitung einer neuen zugänglicheren Form bzw. Fassung der Erzählung Lessings. So entsteht ein neuer Text, der in Sprüngen zum Originalschauplatz im Mittelalter und seiner Entstehungszeit, der Aufklärungsepoche, referiert, aber in der Rahmenhandlung im heutigen Berlin spielt, wo rivalisierende Jugendgruppen Konflikte auch gewaltsam lösen. Nur die jugendliche Heldin Lisa vermag die (zeitlichen) Grenzen zu überschreiten und tritt in den Dialog mit Nathan und den Philosophen. So stehen am Ende fast tausend Jahre Menschheitsgeschichte auf dem Prüfstein, und letztlich auch wir selber und unsere Haltungen und Einstellungen. Das Stück soll jugendlichen wie erwachsenen Verunsicherten und Verbitterten ganz ohne Fingerzeig echte Alternativen zu Hass, Wut und Ausgrenzung aufzeigen und die wieder dringend notwendige Auseinandersetzung mit den Begriffen Toleranz, Akzeptanz, Integration usw. in einer pluralen Demokratie anregen.

Das Ensemble wird sich aus Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren zusammensetzen und rekrutiert sich zum Teil aus den bestehenden Pool des KungerKiezTheaters und aus Teilnehmenden aus früheren Projekten, wie zum Beispiel Workshops mit Geflüchteten Jugendlichen.

Es werden aber noch Jugendliche ab 15 Jahren gesucht. Interessierte melden sich bitte unter kontakt@kungerkiez.de
Vorkenntnisse und Erfahrungen im Schauspiel sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.

Die Proben beginnen Anfang September 2017. Voraussichtlich finden die Aufführung Ende März und Anfang April 2018 statt.

 

Regie: Michael Reinhold Schmitz
Dramaturgie: Katrin Heinau
Text: Michael Reinhold Schmitz
Kostüm: Hannah Schorch
Bühne: Florian Wulff
Dokumentation: Michael Westrich
[zu ergänzen!]

 

Dieses Projekt wird unterstützt durch:

Aktionfonds Partnerschaften für Demokratie Treptow-Köpenick

und dem

Amt für Weiterbildung und Kultur des BezirksTreptow-Köpenick

 

Herzlichen Dank dafür.

 

 

Datum
Fr, 23. März 2018, 20:00
Ort JuKuZ ”Gérard Philipe”
Karl-Kunger-Str. 29/30
12435 Berlin
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