Spielort

Unser Zuhause

ist der Kiez – aber hier insbesondere unser Stammhaus, das Jugendkunst- und Begegnungszentrum Gérard Philipe. Schon wenige Monate nach unserer Gründung durften wir mit der Unterstützung der damaligen Hausleitung Evi Müller “einziehen”. Seitdem füllen wir diese kleine Kiez-Bühne mit Leben, unterstützen das Haus tatkräftig mit Projekten, Investitionen, Arbeitskraft und vielem anderen mehr. In den Jahren wurde die Kooperation immer fruchtbarer und geht bisweilen weit über das Theaterspielen hinaus.

Immer mal wieder versuchen wir uns auch außerhalb unsres Stammhauses. So spielten wir bereits in einem Zelt des Cabuwazis und in der Mehrzweckhalle der Kunstfabrik am Flutgraben. Einmal sogar verließen wir sogar den Kiez, um im Bethanien in Kreuzberg zu spielen. Doch als echtes Kieztheater fühlen wir uns am wohlsten auf der heimischen Bühne.

ACHTUNG! KATASTROPHE!

 

 

 

 

Völlig unerwartet und unangekündigt wurde uns am 20. Mai 20 beim jährlichen Kooperationsgespräch ein völlig inakzeptabler Kooperationsvertrag vorgelegt, der einem Rauswurf gleichkommt!

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Texte und Links zum Rauswurf!

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Pressemitteilung vom 01.06.2020

Das KungerKiezTheater vor dem Aus

13 Jahre bewegte Theaterarbeit in Treptow-Köpenick, 21 Produktionen, davon acht Ur-Aufführungen, 132 Vorstellungen mit fast 11.000 Zuschauer*innen. Das KungerKiezTheater, in dem Professionelle und Amateure auf gleicher Augenhöhe miteinander arbeiten, ist inzwischen fester Bestandteil der (lokalen) Kulturszene geworden. Die Bilanz der kleinen Off-Bühne in der Trägerschaft der gemeinnützigen KungerKiezInitiative e.V. kann sich also sehen lassen.

Doch das alles hinderte den HVD (Humanistischer Verband) Berlin-Brandenburg, dem 2012 die Trägerschaft für das Stammhaus des Theaters, das Jugendkunst- und Begegnungszentrum Gérard Philipe (JuKuZ) übergeben wurde, nicht daran, die 50 Aktiven in zurzeit 4 Ensembles vollkommen unangekündigt auf die Straße zu setzen. Lediglich das Jugendensemble dürfte, wenn es nach dem Willen der jetzigen Hausleitung und der zuständigen Bereichsleitung des HVD ginge, noch an einem Tag in der Woche proben und würde das Recht auf 4-6 Aufführungen im Jahr erhalten. Alle anderen Ensembles, in denen grundsätzlich intergenerativ und inklusiv gearbeitet wird, seien nicht mehr erwünscht. Auch auf ein Engagement in der Theaterarbeit für und mit Kindern durch das KungerKiezTheater lege man keinen Wert mehr.

Das ist das Ergebnis des letzten, am 20. Mai anberaumten Kooperationsgesprächs, das für die KungerKiezInitiative eher zu einem Diktat wurde. Denn von Gespräch und Aushandlung, so wie es unter Partner*innen Usus ist, kann nicht die Rede sein. Der alte Kooperationsvertrag, der lediglich modifiziert werden sollte, wurde zur Makulatur erklärt. Stattdessen wurde der Kiezinitiative der neue Vertrag zur Kenntnis und Unterschrift vorgelegt. Änderungen seien nicht möglich. All dies geschehe in Absprache mit dem Jugendamt Treptow-Köpenick, was für große Verwunderung sorgte, denn die regionale Fachleitung des Jugendamtes hatte die KungerKiezInitiaitive e.V. kurz zuvor noch aufgefordert, eigene Vorstellungen zur Kooperation zu formulieren.

Wir sind bestürzt über dieses gemeinsame Vorgehen von JuKuZ, HVD und Jugendamt gegen unsere erfolgreiche Arbeit im Kiez und protestieren entschieden! Diese einseitige Aufkündigung eines seit mehr als einem Jahrzehnt bestehenden Kooperationsvertrags ohne vorhergehende Ankündigung ist nicht akzeptabel. Der Sozialraum verliert damit zwischen zwei und vier Theater-Produktionen im Jahr und vieles andere mehr, denn zum Beispiel die Ferienworkshops für hier lebende und geflüchtete Jugendliche, die die KungerKiezInitiaitve unterstützt von der DKJS (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung) dort seit Jahren durchführt, fanden letztes Jahr schon nicht mehr statt – wegen andauernder pädagogischer Differenzen beider Träger.

Begründet wird dieses Vorgehen mit der Erweiterung der Öffnungszeiten von 20 auf 21 Uhr und „den Zielvorgaben des Jugendamtes“, die eine Nutzung nur für die „Kernaltersgruppe“ von 9 bis 21 Jahren vorsehe. Wir halten diese Begründungen für vorgeschoben, denn das Haus wird in der Regel von Kindern unter 14 Jahren besucht, was seit Jahren zu Diskussionen mit der benachbarten Einrichtung für genau diese Altersgruppe, dem Abenteuerspielplatz ASP Kuhfuß führt. Die Argumentation hinkt aber vor allem deshalb, weil dem JuKuZ fast 500 qm pädagogisch nutzbare Fläche in sechs Räumen zur Verfügung stehen – und das bei einer Nutzer*innenzahl von 5 bis 40 Kindern am Tag.

Die Hintergründe sind aber andere und nur allzu klar. Die KungerKiezInitiative e.V. soll offensichtlich dafür abgestraft werden, dass sie im letzten Jahr ein eigenes, in Fachkreisen sehr gelobtes Konzept für das Gérard Philipe vorlegte. Dies geschah auf Wunsch vieler Anwohner*innen und auch lokaler Akteure, denn seit der Übertragung des Hauses in freie Trägerschaft im Jahre 2012 gelang es dem HVD nicht, eine sozialräumlich orientierte, offene Jugendarbeit zu etablieren. Drei Leitungen und neun Personalabgänge, die Besetzung der Stellen mit überwiegend nicht originär pädagogischem Personal sprechen Bände. Obwohl es seit Jahren Hinweise aus der Bevölkerung und von lokalen Akteuren auf die Schieflagen im Haus gibt, reagierte das Jugendamt nicht. Das von der KungerKiezInitiative e.V. vorgelegte Konzept wurde inhaltlich nicht einmal besprochen.

Wir halten das Vorgehen des Trägers für nicht hinnehmbar. Die Arbeit des KungerKiezTheaters erreichte in den vergangenen Jahren unzählige Menschen vor und hinter der Bühne. Und die Vielseitigkeit der niedrigschwelligen Angebote der KungerKiezInitiative e.V. als anerkannter Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe bereicherten über Jahre hinweg die Arbeit im JuKuZ Gérard Philip über das Theater hinaus.

Zum Nachteil für den Sozialraum, in dem die KungerKiezInitiative einen starken Rückhalt hat, wurden wir nicht mehr als interessanter Partner, sondern wie ein lästiger Bittsteller betrachtet. Der Appell die Kooperation wechselseitig zu nutzen, Kompetenzen, Ressourcen, Zeiten und Orte zu teilen, wie dies in früheren Jahren der Vereinbarung der Fall war, verhallte wiederholt. Auch der Appell zur Öffnung für das kulturelle Leben im Kiez, in dem das JuKuZ-Gebäude ein Zentrum darstellt, und zur besseren Auslastung der räumlichen Kapazitäten, blieb unbeantwortet. In der dichter werdenden Stadt stellt aber ein verantwortlicher Umgang mit Immobilien zugunsten des Gemeinwesens aus unserer Sicht eine Pflicht dar. Bedauerlicherweise nimmt die „Auslastung“ des Theatersaals durch Vermietung für Privatfeiern u.a. mit dem zweifelhaften Verweis auf die Auflage, Drittmittel einzutreiben, am JuKuZ immer mehr zu.

Vier laufende Theaterproduktionen des KungerKiezTheaters mit einer großen Zahl an Mitwirkenden sind jetzt – mitten in den bestehenden Schwierigkeiten durch Corona – ohne Proben- und Spielort. Das ist für alle Mitwirkenden, die teils ihren Lebensunterhalt aus künstlerischer Arbeit bestreiten, teils sich sehr engagiert ehrenamtlich einbinden, unfair und katastrophal.

Die Hausleitung des JuKuZ und der HVD torpedieren nicht nur unsere Arbeit. Indirekt sind natürlich auch die Entscheidungen der jeweiligen Fördergeber der einzelnen Projekte betroffen. Und über das Theater und die Ferienworkshops hinaus werden auch andere Projekte, wie zum Beispiel unser Chor „Die Weltberliner“ betroffen sein. Mit der Aufkündigung der Kooperation ist er heimatlos und muss für seine Benefiz-Konzerte einen neuen Aufführungsort suchen. Unsolidarischer kann ein Kooperationspartner in der augenblicklichen Lage wohl nicht agieren.

Wir fordern ein drastisches Umdenken bei den Verantwortlichen in Verwaltung und Politik. Der Sozialraum und die in ihm lebenden und arbeitenden Menschen haben einen anderen Umgang mit den tollen Ressourcen in dieser bezirklichen Immobilie verdient. Die Konsequenz kann nur eines sein: ein Gérard Philipe für alle – und zwar in einer lokalen Trägerschaft, die in der Lage ist die Jugendlichen im Sozialraum zu erreichen und die Interessen der verschiedenen Gruppen miteinander zu verbinden und das Haus einer optimalen Nutzung zuzuführen.

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Artikel in der Berliner Woche vom 4.6.2020 von Ralf Drescher

 

https://www.berliner-woche.de/alt-treptow/c-kultur/spielstaette-im-jugendkulturzentrum-wurde-gekuendigt_a275443?fbclid=IwAR2_NaCAee_zr2ajEdVY9FjnQbvU1zhKwUdQkZhfH3B52k2dyf1dmRt45ms

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Brief an unsere Freund*innen und Förder*innen vom 6. Juni 2020

Und plötzlich ist die Bühne weg! –
Rauswurf des KungerKiezTheaters aus dem JuKuZ Gérard Philipe!

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen und Freunde der KungerKiezInitiative e.V. und des KungerKiezTheaters,

die Überschrift ist leider kein Witz, sondern bitterer Ernst. Anlässlich des jährlichen Kooperationsgesprächs zwischen der KungerKiezInitiative e.V. und dem Humanistischen Verband Deutschland (HVD), seit 2012 Träger des JuKuZ Gérard Philipe, wurde die bisherige, seit 2007 mit dem Haus gültige Vereinbarung einseitig und ohne Ankündigung aufgekündigt. Jegliche Arbeit unserer Initiative im JuKuZ ist laut aktueller Hausleitung und HVD-Bereichsleitung ab sofort unerwünscht. Lediglich unser Jugendensemble dürfe noch einmal die Woche im Theatersaal proben und an 4-6 Tagen im Jahr Aufführungen durchführen. Damit stehen aktuell 4 andere Ensembles (darunter auch das Theater für Kinder) von heute auf morgen ohne Proberaum bzw. Aufführungsort da.

Wir sind schockiert und protestieren vehement gegen diesen Vorgang.

132 Vorstellungen in 21 Produktionen, 8 Uraufführungen, fast 11.000 Zuschauer*innen – das ist die Bilanz unseres KungerKiezTheaters, in dem zurzeit mehr als 50 Menschen aktiv sind und das im JuKuZ von Gründung an sein Stammhaus hat. Darüber hinaus bereicherte die KiezIni das Angebot des Hauses über Jahre hinweg beispielsweise mit Ferienworkshops für geflüchtete und hier lebende Jugendliche, Chorkonzerte und sogar Ausbildungskurse für Erzieher*innen. Doch das zählt anscheinend alles nicht.

Begründet wird dieser Rauswurf mit neuen Öffnungszeiten (bis 21 Uhr) und damit, dass das Haus ganz der eigentlichen Zielgruppe zur Verfügung stehen soll. Diese Zielgruppe sollen 9 bis 21-Jährige aus unserm Sozialraum Alt-Treptow sein. Das Ganze sei im Übrigen so mit dem Jugendamt abgesprochen.

Wenn man das liest, muss man dann doch lachen. Dem HVD ist es in fast 8 Jahren Trägerschaft bislang nicht gelungen, auch nur annähernd eine bedarfsgerechte offene Jugendarbeit vor Ort zu etablieren. An der personellen und finanziellen Ausstattung kann es nicht liegen, denn die Einrichtung bekommt auch noch das meiste Geld im Sozialraum (ca. 160.000 € pro Jahr). Trotzdem sind die Nutzer*innenzahlen immer noch kläglich im Vergleich zu anderen Einrichtungen.

3 Leitungen und 9 Personalwechsel, oft über Wochen und Monate hin unbesetzte Stellen und kaum noch originär pädagogisches Personal sind klare Indikatoren für das Scheitern des Trägers vor Ort. Doch Hinweise an das Jugendamt sowohl von Anwohner*innen als auch von lokalen Akteur*innen in Bezug auf die Missstände und Defizite im Haus wurden in der Vergangenheit entweder abgetan oder ignoriert.

2019 reagierte die KungerKiezInitiative e.V. schließlich – nicht zuletzt auch auf Bitten zahlreicher Eltern, die sich eine qualifizierte, offene Jugendarbeit für ihre Kinder wünschen. Die KiezInitiative legte als anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe mit viel Expertise in dem Bereich ein eigenes Konzept für das Haus vor. Leider wurde das Konzept aber nicht einmal inhaltlich besprochen, sondern mit dem Hinweis auf bestehende Mietverträge (!) mit dem HVD abgelehnt.

In dem Rauswurf kann nichts Anderes als eine Retourkutsche für unsere Bewerbung gesehen werden. Das wollen wir und werden wir so nicht hinnehmen. Der Name „Gérard Philipe“ steht hier in Alt-Treptow für mehr als das, was dort geboten wird. Wir fordern ein für alle offenes Haus, das bedarfsgerechte, offene Jugendarbeit bietet, gleichzeitig aber auch Begegnung der Generationen und von Menschen mit unterschiedlichster Herkunft ermöglicht – einen Ort, der den sozialen Zusammenhalt im Kiez stärkt und die verbindende Kraft von Kunst und Kultur anerkennt und nutzt. Das jetzige Haus ist das alles nicht!

Wenn Ihr auch nicht einverstanden seid und uns unterstützen wollt, dann meldet euch bitte bei uns per Email (theater@kungerkiez.de) oder tragt euch in der Galerie KungerKiez (Karl-Kunger-Straße 15) oder in unseren Kursräumen (Kiefholzstraße 20) in die Unterstützer*innen-Liste ein, damit wir euch bei anstehenden Aktionen kontaktieren können.

Vielen Dank

Eure KungerKiezInitiative e.V. und die Aktiven des KungerKiezTheaters

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Artikel im Tagesspiegel Newsletter vom 8.6.2020 von Thomas Loy

https://leute.tagesspiegel.de/treptow-koepenick/intro/2020/06/08/126421/?fbclid=IwAR3rriZFXrRgD61OmtRx-jYCb6ePr-3Hga8F_Uq2fMohPIZfExTwy-1uuH0

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Leserbrief an Thomas Loy vom 9.6.2020

Sehr geehrter Herr Loy, sehr geehrte Redaktion,
ich habe mich sehr gefreut, dass gestern über das Thema „Rauswurf des KungerKiezTheaters aus dem JuKuZ Gérard Philipe“ in Ihrem Newsletter LEUTE (Tagesspiegel – Ausgabe Treptow-Köpenick) berichtet wurde.

Eine Passage lässt mir keine Ruhe:
„Offene Jugendarbeit und Theaterproben würden sich eben nicht gut vertragen, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Karin Kant (Linke). Weil es in Alt-Treptow „sonst nichts für Jugendliche gibt“ – nach dem Wegfall der Insel der Jugend – müsse das JuKuZ nun diese Lücke füllen. Im vergangenen Jahr sei die Jugendkunstschule aus dem JuKuZ nach Köpenick umgezogen, jetzt wäre also der Weg frei, einen richtigen Jugendclub zu etablieren. „Die Jugendlichen sollen sich die Räume selber erobern.“ Natürlich wolle man die Theatergruppen nicht aus dem Kiez vergraulen. Kant schlägt vor, sich mal die ehemalige Schule am Zirkus Cabuwazi genauer anzusehen, die stehe leer und könne vielleicht für die Gruppen genutzt werden.“

Das möchte ich so nicht stehen lassen.
1. Dass sich offene Jugendarbeit mit Theaterproben nicht verträgt, will mir nicht einleuchten. Was heißt das eigentlich? Ich versuche es mal zu verstehen: Jugendliche mögen also keine Theaterproben und Theaterprobende keine Jugendliche. Erstens sehen das unsere Jugendlichen im Ensemble (zurzeit 12 an der Zahl und davon nur wenige aus gutsituierten Verhältnissen) sicher anders. Zweitens sind unsre Ensembles immer offen und spiegeln auch jugendliche Lebenswelten und Themen wider (z.B. Nathan & Lisa, Leviathan). Unsere (Theater-)Arbeit ist auch ein originärer Bestandteil von offener Kinder- und Jugendarbeit (einfach mal im Berliner Handbuch nachlesen!).

2.: „Weil es in Alt-Treptow sonst nichts für Jugendliche gibt…“ Das sehen sicher andere Träger im unserem Sozialraum völlig anders. Außerdem: Jugendliche bewegen sich heutzutage eher selten ausschließlich in ihrem Sozialraum, sondern sind inzwischen auch durch ihre schulische Situation überwiegend berlinweit unterwegs. Sie in ihrem Sozialraum zu erreichen, bedarf heute sehr guter sozialräumlicher Kenntnisse und einer guten lokalen Vernetzung. Es reicht nicht mehr aus, einen Bildschirm aufzuhängen, einen Billardtisch aufzustellen und dauerhaft Rap durch die Raum-Lautsprecher zu jagen, wie es das JuKuZ macht.

3. Tja, die Jugendkunstschule… Was der Umzug der Jugendkunstschule mit der Jugendarbeit im JuKuZ zu tun gehabt haben soll, verstehe ich so überhaupt nicht. Die war nämlich nur an den Vormittagen und gelegentlich in den Ferien (mit qualitativen Angeboten) vor Ort. Und der Töpferraum war sicher nicht der Grund dafür, warum in den letzten Jahren Jugendliche aus Alt-Treptow nicht den Weg ins Haus gefunden haben. Der Töpferraum ist nun seit fast einem Jahr weg, und es sind immer noch keine Jugendliche da. – Eines steht auf jeden Fall fest: Die Jugendkunstschule musste genau wie die damals gute und gewachsene Kursstruktur im Haus immer wieder als Argument dafür herhalten, dass in dem Haus nichts passierte, frei nach dem Motto: Die anderen sind an allem schuld. Ich empfinde den Umzug übrigens als großen Verlust und hätte ihn gerne verhindert.

4. Ich würde auch gerne erfahren, was denn ein „richtiger Jugendclub“ ist. Wir hatten mal im Kiez das Projekt 112, das ich sehr geschätzt habe und das leider geschlossen wurde. Das war sicher ein richtiger Jugendclub. Aber es war auch eine andere Zeit.
Und damit kommen wir zur entscheidenden Frage: Wer sagt denn überhaupt, dass wir in Alt-Treptow eine „richtigen Jugendclub“ brauchen? Ich lebe seit 25 Jahren hier und arbeite seit 14 Jahren hier vor Ort im Gemeinwesen mit den Menschen, d.h. auch mit Jugendlichen. Und ich bin mir ziemlich sicher: Jugendclub hin oder her. Wir brauchen vor allem eine qualifizierte und bedarfsgerechte Jugendarbeit. Ob sie nun offen ist oder ob sie auch auf Angebotsstruktur basiert. Hauptsache sie ist vielseitig und variabel, denn Jugendliche sind doch sehr verschieden. Und Jugendarbeit ist nach SGB VIII Arbeit für alle Jugendlichen. – In ihrem Konzept von 2019 hat die KungerKiezInitiative e.V. ein solches Angebot für alle Jugendlichen (und auch noch viel mehr) gemacht. Leider wurde unsere Expertise einfach ignoriert.

5. „Theater in der ehemaligen Schule am Zirkus Cabuwazi“ Ganz deutlich: Wir haben einen Theatersaal im Kiez und der ist im JuKuZ Gérard Philipe. Es ist nicht einleuchtend und auch nicht vermittelbar, warum das Kieztheater da nicht mehr spielen kann oder darf. Im Übrigen: Die Alte Schule steht wohl ziemlich sicher vor einer baldigen Sanierung, weil sie marode ist. Theaterspielen wäre dann auf der Baustelle möglich… Bitte nur noch ernsthafte Vorschläge, ja?

Wir haben durch diesen Schlamassel mit dem HVD, der wirklich vermeidbar gewesen wäre, hätte man sich ernsthaft mit unserem Konzept von 2019 und den Gründen dafür auseinandergesetzt, vier laufende Produktionen, die ohne Probe- und Aufführungsmöglichkeiten dastehen. Das betrifft nicht nur Laien, sondern auch professionelle Theater- und Kulturschaffende – und das in Nach-Corona-Zeiten. Danke auch!

Michael Reinhold Schmitz
(Vorstand der KungerKiezInitiative e.V. und Regisseur im KungerKiezTheater)

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Email an die Pressestelle des Bezirkes vom 16.6.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns heut mit einer dringenden Bitte an Sie.
In der letzten Woche titelte die Berliner Woche folgendes: “Spielstätte im Jugendkulturzentrum wurde gekündigt.”
Nun wurden wir gestern von überraschten Bürger*innen auf einen Twitter-Beitrag aus dem Bezirksamt aufmerksam gemacht (Wir selbst sind in diesem Medium nicht unterwegs).

Hier war zu lesen:

“BA Treptow-Köpenick (@BaBerlinTK) hat getwittert: @berlinerwoche 1/2 Die
Spielstätte wurde nicht gekündigt. Stattdessen musste der HVD über die
Fortsetzung einer ausgelaufenen Kooperationsvereinbarung verhandeln.
Diese Verhandlungen hat die Kunger-Kiez-Initiative abgebrochen.”
https://twitter.com/BaBerlinTK/status/1270287408051949568?s=20

“BA Treptow-Köpenick (@BaBerlinTK) hat getwittert: @berlinerwoche 2/2 Das
zuständige Jugendamt ist nach wie vor bereit, eine Fortsetzung der
Verhandlungen fachlich zu begleiten.”
https://twitter.com/BaBerlinTK/status/1270287453115596801?s=20

Wir möchten Sie bitten, eine schnellstmögliche Richtigstellung des Sachverhalts auf Twitter und ggf. anderen Kanälen zu veranlassen.
Durch diese unrichtigen Äußerungen entstehen der KungerKiezInitiative e.V. Schaden und es wird insgesamt ein falscher Eindruck erweckt.

Es liegt uns fern, einen anderen Träger negativ darzustellen oder schlecht über ihn zusprechen, aber der Sachverhalt ist der Folgende:

1. Tatsache ist, dass ca. 90 % der bestehenden Kooperationsvereinbarung am 20. Mai 2020 vom HVD ersatzlos gestrichen wurden. Anstatt die bisherigen Vereinbarungen zu aktualisieren, wie üblich, wurde uns ein völlig neues Papier zur Kenntnisnahme und zur Unterschrift vorgelegt. Verhandlungsspielraum gab es keinen – auch auf Nachfrage nicht. Die KungerKiezInitiative e.V. hat also die Verhandlungen nicht abgebrochen, denn es gab keine Verhandlungen! Der HVD hat mit dem neuen Papier ohne Absprachen und Ankündigung die bisherigen Vereinbarungen, die in 13 Jahren Zusammenarbeit gewachsen sind, für null und nichtig erklärt. Daraufhin haben wir lediglich angemerkt, dass die Verhandlungen dann wohl auf anderer Ebene weitergeführt werden müssen, was wir nun auch angeregt haben.
Im übrigen läuft der Kooperationsvertrag tatsächlich formell nicht aus. Somit kann von einer “ausgelaufenen Kooperationsvereinbarung” nicht die Rede sein.
Lediglich eine regelmäßige Aktualisierung (alle zwei Jahre) ist vertraglich vorgesehen. Wir senden Ihnen gerne die Unterlagen zu.

Ob Herr Drescher von der Berliner Woche das als Kündigung interpretiert, liegt in seinem Ermessen. Darin sollte man ihm keine böse Absicht unterstellen.

2. Zum zweiten Tweet ist zu sagen: Der HVD hat uns in keinsterweise in dem Gespräch am 20. Mai signalisiert, dass es noch Verhandlungen geben könnte. Die Vertreterinnen des Trägers haben auch keinen Zweifel daran gelassen, dass dieser Vorgang im Zusammenhang mit der Tatsache steht, dass wir im letzten Jahr ein eigenes Konzept für das Haus vorgelegt und uns um die Trägerschaft beworben haben. Uns wurde vermittelt: Wir und unsere Angebote sind im Haus nicht erwünscht.

Eine fachliche Begleitung durch das Jugendamt sehen wir gerne.

Insgesamt verstehen wir nicht, aus welcher Notwendigkeit heraus, diese Tweeds ohne vorherige Kontaktaufnahme mit den Betroffenen veröffentlicht wurden.
Eine Stellungnahme zu diesem Zeitungsartikel wäre doch bestenfalls die Aufgabe des Trägers bzw. der Träger gewesen.
Die falschen Sachverhalte der Tweets sind natürlich Ergebnis aus der Tatsache, dass das Bezirksamt oder das Jugendamt nicht bei den Gesprächen dabei war und deshalb nicht über die notwendigen Kenntnisse zum Sachverhalt verfügen kann.
Wenn das Bezirksamt Informationen besitzt, dann nur einseitig, denn mit uns, das heißt den Mitgliedern des Vorstands und des Theaters, die zu dritt bei dem Kooperationsgespräch anwesend waren, hat niemand gesprochen.

Wir möchten zum Schluss noch anmerken, dass wir in unserem Sozialraum normalerweise unter Trägern ein sehr gutes, wertschätzendes und respektvolles Miteinander pflegen. Unsere Bewerbung für das Haus im letzten Jahr war im Vorfeld kommuniziert und die unausweichlich empfundene Konsequenz aus zahlreichen, aber fruchtlosen Gesprächen zu Schieflagen und Defiziten in der Arbeit des jetzigen Trägers über Jahre hinweg. Sie entsprang einem aufrichtigen Bedürfnis nach bedarfs- und sozialräumlich orientierter Jugendarbeit, die es leider vor Ort nicht gibt.

Vielen Dank und herzlichen Gruß

Michael Reinhold Schmitz
(Vorstand der KungerKiezInitiative e.V.)

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Artikel im Tagesspiegel Newsletter vom 15.6.2020 von Thomas Loy

Herr Loy hat den eigentlichen Punkt gut getroffen: “JuKuZ contra KungerKiez” – eine Einrichtung gegen einen Kiez. – Schade, dass es so weit kommen musste. (MS)

 

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Antwort der Pressestelle BA Treptow-Köpenick vom 23.6.2020 auf unsre Bitte, den Tweet zu löschen oder richtigzustellen.

 

 

 

Sehr geehrter Herr Schmitz,
ich komme zurück auf Ihre E-Mail vom 16. Juni 2020, in der Sie uns um Richtigstellung zweier Tweets baten. In den Tweets haben wir Fragen beantwortet, die uns von Dritten gestellt wurden.

Nach Rücksprache mit Bezirksstadtrat Klemm haben wir uns dazu entschlossen, die Tweets nicht zu löschen. In den Augen des Bezirksamtes Treptow-Köpenick handelt es sich hier nicht um, wie Sie sagen, „unrichtige Äußerungen“, sondern um eine Klarstellung unsererseits, die Sie in Ihrem Schreiben selbst bestätigen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Twitter nicht die geeignete Plattform bietet, um einen Sachverhalt detailliert zu erörtern. Stattdessen erfordert das Medium rasche und kurze Antworten.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag
Marie Penke
Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin 
Pressestelle

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Erneute Bitte an die Pressestelle BA Treptow-Köpenick um Richtigstellung vom 25.6.2020.

 

 

 

Sehr geehrte Frau Penke, vielen Dank für die Antwort.

Wir wiederholen hiermit unsere Bitte um Richtigstellung.
Die gemachten Aussagen werfen ein schlechtes Licht auf uns. Sie entsprechen aber nicht der Realität. So kann man also nicht von einer “Klarstellung” reden.
Wir haben uns in dieser Angelegenheit absolut korrekt verhalten.

Nur folgende Aussagen sind richtig und können durch mehrere Anwesende aus unserm Vorstand belegt werden.

Die KungerKiezInitiative e.V. hat die Verhandlungen nicht abgebrochen. Anlässlich einer turnusgemäßen Aktualisierung der seit fast 13 Jahren gültigen Vereinbarung hat der HVD ohne Rücksprache und Ankündigung ein völlig neues Papier zur Unterschrift vorgelegt, das ca. 90% der bisherigen Vereinbarung ersatzlos streicht. Ein Verhandlungsspielraum wurde der KungerKiezInitiative e.V. auch auf Nachfrage nicht eingeräumt. Deshalb haben wir Gespräche auf anderer Ebene angeregt.  

Andere Aussagen sind falsch. Bitte löschen Sie den Tweet bis zum kommenden Freitag ( 26. Juni 2020) und veröffentliche Sie eine Richtigstellung. Vielen Dank.

Uns würde sehr interessieren, auf welche Fragen der BA-Tweet sich überhaupt bezieht und warum dieser eher ungewöhnliche Weg der Beantwortung gewählt wurde.

Bei Fragen zu solchen Vorgängen gibt es in der Regel eine Menge von Wegen, zum Beispiel den der Bürgerfragen oder der Kleinen Anfragen.
Die Antworten sind in der Regel an die Fragesteller*in zu richten und nicht über Tweet an die Öffentlichkeit zu senden.

Es ist bedauerlich, dass wir nicht bei der Beantwortung der Frage hinzugezogen wurden. Ein klärendes Telefonat hätte genügt.
Uns würde natürlich auch interessieren, woher das Bezirksamt seine Informationen bezieht, da es ja zu dem Termin nicht anwesend war. Hier ist wahrscheinlich die Fehlerquelle zu suchen.

Durch diesen Tweet entsteht so leider der Eindruck, das Bezirksamt würde einseitig Partei für den Träger HVD ergreifen, was sicher nicht beabsichtigt ist.

Herzlichen Gruß

Michael Reinhold Schmitz
(KungerKiezInitiative e.V.)

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Versuch von Henriette Huhn und Marvin Maulwurf nach Hause ins JuKuZ zu gelangen.

 

 

 

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